Der DAX-Aktienindex (DAX Performance Index) hat in der Zeit von Anfang 2024 bis Ende Oktober 2025 über 40% an Wert zugelegt. Dagegen stagnierten die Aktienkurse der wichtigsten deutschen Autobauer in der gleichen Zeit oder waren gar rückläufig. Das unterdurchschnittliche Abschneiden der deutschen Autofirmen an der Börse korreliert mit einer negativen Reputationsentwicklung.

Das öffentliche Ansehen der Autoindustrie hat in den letzten beiden Jahren merklich gelitten, wie eine Reputationsanalyse von commsLAB zeigt (vgl. Abbildung 1). Die Daten zur Reputationsanalyse stammen dabei aus dem von commsLAB seit 2021 betriebenen Grundlagenmonitoring, welches in ausgewählten deutschen Leitmedien die Reputation und die Issues sämtlicher DAX-Unternehmen erfasst und analysiert (commslab.com/dax). Die dem Monitoring zugrundliegenden Mediendaten werden von der Deutschen Wirtschaftsdatenbank Genios bezogen.

Das Bild zeigt die Reputationsentwicklung der Deutschen Automobilindustrie

Abbildung 1: Die Darstellung zeigt die Reputationsentwicklung ausgewählter deutscher Autohersteller von Anfang 2024 bis Ende Oktober 2025. Der Reputationsindex von commsLAB reicht von -100 bis +100. Die Daten wurden per Anfang 2024 indexiert (Quelle: commsLAB, Genios).

Lesebeispiel: Die Reputation sämtlicher abgebildeter Autofirmen liegt per Ende Oktober 2025 deutlich unterhalb ihres Startwerts von Anfang 2024. Am deutlichsten sind die Reputationsverluste bei Porsche mit rund -50 Reputationspunkten. Im Vergleich dazu konnten die nicht dem Automobilsektor zugehörigen DAX-Unternehmen im Total an Reputation zulegen.

Die Daten von commsLAB zeigen, wie sich die Reputation der vier grössten deutschen Autofirmen seit Anfang 2024 entwickelt hat. Am stärksten fallen die Reputationsverluste bei Porsche aus; seit Anfang 2024 ging die Reputation des Konzerns um -50 Reputationspunkte zurück (auf einer Skala von -100 bis +100). Ebenfalls deutliche Reputationsverluste manifestieren sich in der gleichen Zeitperiode bei Volkswagen und BWM mit einem Rückgang von je rund -20 Reputationspunkten.

Was sind die Gründe für diese negative Reputationsentwicklung? Erstens hat sich eine Perspektive etabliert, wonach die Firmen vor ungelösten wirtschaftlichen und strategischen Herausforderungen stehen: «Mercedes-Benz fährt im Rückwärtsgang» (Börsen-Zeitung, 21.2.2025). Zweitens sehen sich die Unternehmen in regelmässiger Kadenz auch mit negativen Schlagzeilen bzgl. sozialer Fragestellungen konfrontiert, wie z.B. der Umgang mit den Mitarbeitenden: «VW-Beschäftigte sind wütend und enttäuscht» (FAZ, 4.9.2024).

Der Automobilindustrie haftet in der deutschen Öffentlichkeit aktuell das Bild einer Branche an, die daran scheitert, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erwartungen verlässlich zu erfüllen.

Vor dem Hintergrund dieser negativen Entwicklung stellt der Automobilsektor heute einen belastenden Faktor dar für die DAX-Gesamtreputation (vgl. Abbildung 2). Kein Vergleich zur Situation im Jahr 2023, als die Autobranche noch an der Spitze des Sektorvergleichs rangiert hatte.

Das Bild zeigt die Reputation der DAX Sektoren

Abbildung 2: Der Sektor-Impact zeigt, welche Auswirkungen ein einzelner Sektor auf die Gesamtreputation das DAX (alle Unternehmen zusammengenommen) hat und ist damit ein valider Indikator für die effektive Reputation der einzelnen Sektoren in der Deutschen Öffentlichkeit (Quelle: commsLAB, Genios).

Lesehilfe: Ohne den Sektor ‘Automobil’ würde die Gesamtreputation aller DAX-Unternehmen zusammengenommen um 12.9 Indexpunkte höher ausfallen (linker Teil der Grafik).

DAX Reputation Index

Mediensample/Zeitraum: Die Reputationsdaten basieren auf einer Erfassung der folgenden deutschen Leitmedien (bezogen von Genios): Berliner Zeitung, Bild, Börsenzeitung, Der Spiegel, Die Welt, Die Zeit, Focus, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Handelsblatt, Süddeutsche Zeitung (alle inkl. Online- und Sonntagsausgaben). Die Daten entstammen einer laufenden, manuellen Inhaltsanalyse von commsLAB. commsLAB betreibt seit 2021 ein kontinuierliches Reputations- und Issuemonitoring zu sämtlichen DAX-Unternehmen (inkl. Zu- und Abgänge).

Sektoreinteilung: Folgende Unternehmen aus dem DAX wurden dem Automobilsektor zugewiesen (BWW, Continental, Daimler-Truck, Mercedes, Porsche AG, Porsche SE, VW).